Der Donauradweg verbindet Natur und Kultur. Auch auf dem rund 400 Kilometer langen
Teilabschnitt zwischen Passau und Wien. Die flache Strecke macht die Tour zu einem
Rad-Erlebnis für die ganze Familie. (gefahren und geschrieben 2003)

Für Fritz Bury steht fest: Hochwasser hin oder her, die Radfahrer werden schon kommen in diesem Sommer. Eine Hand in der Tasche, in der anderen ein Glas Most (was im österreichischen Mühlviertel ein Obstwein ist) steht er vor dem Moserhof in Mitterkirchen und schaut den vier Radfahrern entgegen, die da schon im Frühjahr die Strecke einmal ausprobieren. Kilometerweit waren die Gasthöfe "zugesperrt", weil überall noch fleißig gewerkelt wird.

Das Donauhochwasser vom vergangenen Sommer hat seine Spuren hinterlassen. Kommen wir auch hier zu früh im Jahr? "Passt scho!" ruft der Mann und meint, dass alles in Ordnung und hier offen ist.

"So hoch", sagt Bury, reckt sich dabei auf die Zehenspitzen, streckt die Finger weit nach oben und kann doch nicht an den in zweieinhalb Metern Höhe am Gebäude sichtbaren Streifen tippen, der noch immer deutlich den Wasserstand markiert. "So hoch stand das Wasser auch hier am Moserhof." Das ist einer von zahlreichen Höfen entlang der Donau zwischen Passau und Wien, die sich speziell auf die Radwanderer eingerichtet haben.

Die Moserwirtin hat gespritzten Most im Angebot und Schmalzbrote, mit Pepperoni eingelegte Gurken, Kaffee und allerhand mehr, was dem Radfahrer gut tun könnte, der die 350 bis 400 Kilometer an Europas zweitlängstem Fluss immer stromab von der deutschen Grenze bis in die österreichische Hauptstadt zurücklegt.

Und gerade der Tagesabschnitt durchs Mühlviertel von Linz nach Grein ist mit 80 Kilometern lang, aber auch schön. Am Nordufer des Flusses verlässt man Linz, quert später den Strom an einem der Donaukraftwerke, hat einen Blick auf die riesigen Schleusen, radelt dann südlich durch die schmucken Döfer des Mütels, wo ü noch an der Beseitigung der Hochwasserschäden gearbeitet wird.

Entlang der Wege durch die Auenwäldchen türmen sich Erdwälle. Wie Schneewehen mussten die Schlammablagerungen der Donau beiseite geschoben werden. Und schließlich geht es aus der flachen und weiten Landschaft nach einem erneuten Wechsel aufs Nordufer wieder in das enge und idyllische Tal, das bei Grein wie eine Staumauer gewirkt hat, den Fluss stromauf überlaufen ließ.

Helga Wenigwieser hatte mit ihrer Pension Glück. Die steht so hoch in Grein, dass das Wasser nicht hinauf kam. Dafür kann die Wirtin unten im italienischen Restaurant ein Lied vom Wasser singen. Aber auch sie hat die Jahrhundertflut wie Tausende andere mit harter Arbeit verdrängt, um rechtzeitig zum Saisonbeginn wieder öffnen zu können.

Der Schrecken vom Sommer letzten Jahres ist einer gewissen Gelassenheit gewichen. "Wir können doch nicht einfach zusperren und anderswo hingehen. Passt scho!", sagt sie lächelnd.

Von Wenigwiesers Pension hat man einen schönen Blick auf das Schloss von Grein, das hoch über der Donau thront. Die Familie von Sachsen und Coburg hat hier ihren Sitz, und beim Italiener ist man stolz darauf, dass die Prinzessin regelmäßiger Gast im Restaurant ist.

Ein Teil des Schlosses ist bewohnt, ein anderer auch öffentlich zugänglich. Dazu gehören der schöne Arkadenhof und ein Teil des Parkes, von dem wiederum man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Flusstal hat.

Da lohnt sich auch nach 80 Kilometern im Sattel der Abendspaziergang. Und da nimmt man im Kauf, dass gleich neben der Pension die Bahnstrecke entlang führt. Der erste Zug am Morgen kommt 5.40 Uhr, pfeift laut am unbeschrankten Bahnübergang. Doch Radfahrer haben einen guten Schlaf.

Der Weg nach Wien ist noch weit. Die Nacht in Grein ist auf dem Weg von Schärding via Passau, Linz, Melk, Krems in die österreichische Hauptstadt die Halbzeitpause. Sehenswertes wie Stift Engelhartszell liegt schon zurück, andere Attraktionen folgen noch: die Wallfahrtskirche "Maria Taferl" in Marbach (300 Meter steilauf zu Fuß oder als "harter Hund" mit dem Rad), das Oskar-Kokoschka-Haus in Pöchlarn, die Weinberge der Wachau, das Kloster Melk und Wien natürlich.

390 Kilometer zeigt der Tachometer beim Passieren der Ortstafel. Noch zehn sind es bis ins Zentrum der österreichischen Hauptstadt. "Und, tut der Hintern weh von der Tour?", fragt der Mann an der Rezeption im letzten Hotel der Fahrt. Geklagt wird nicht. "Passt scho!" Man lernt auf dem Donauradweg.

Donau-Bilder

Hochwasseranzeiger

Die Mauern sind vom Hochwasse
mitgenommen. Kleine Schilder
zeigen den Hochwasserstand
verschiedener Jahre in Schärding an.

 

Moserhof

Der Moserhof in Mitterkirchen ist
ist nach der unglaublichen Flut des
des Jahres 2002 fast neu entstanden.

 

Grein

Grein gehört zu den Perlen an der Donau.

 

Schleuse

Gewaltige Schleusen lassen die
die Schiffe die Staustufen überwinden.

 

Rasthaus

Gasthäuser finden sich überall
entlang der Donau.

©Birger Zentner

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