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Island liegt uns Deutschen viel näher, als man glauben möchte. Dieselben alten Götter, dieselben Sagen. Ein Abend auf der Holzterrasse von Bogi Ragnarsson und Erla Johannsdottir in Egilstadir ganz im Osten der Insel bringt es auf den Punkt. Da sitzen sie zusammen mit dem einheimischen Paar im Ruhestand - vier Isländer, zwei Dänen, zwei Österreicher, zwei Deutsche und alle wissen Bescheid, wo Gunter mit Siegfrieds Hilfe Brunhild im Kampf besiegte und freite. Zwischen isländisch, englisch, deutsch und dänisch wird hin und her gedolmetscht. Und als Bogi zum Akkordeon greift und isländische, dänische und deutsche Volkslieder aus seiner seemännisch-sängerischen Vergangenheit hervorkramt, sind sich alle ganz besonders nahe. Und das, obwohl es nur Kaffee - wenn auch in Strömen - gibt. Alkohol ist viel zu teuer auf der Insel. Unter diesem Dach fühlt man sich besonders heimisch. Kein Wunder, die sieben Kinder von Bogi und Erla sind aus dem Haus. Erla braucht ihre Feriengäste zum Bemuttern. Da steht die Kanne Kaffee schon bei der Ankunft auf der Sonnenterrasse und zum Frühstück gibt es ganz frische, leckere Eierkuchen und Waffeln. Hier hat hat man von Reykjavik her schon die Hälfte der Strecke rund um die Insel und gigantische Eindrücke hinter sich. Man weiß, dass Island eine kochende Geologie hat, weil man durch die dampfenden Lavafelder des Krafla-Vulkans gewandert ist. Dessen unterirdische Heißwasserspeicher nähren ein Geothermalkraftwerk. Man weiß, dass Island-Urlaub ein Badeurlaub ist, denn in jedem Örtchen, das halbwegs etwas auf sich hält, gibt es ein Freibad, das mit Thermalwasser gefüllt oder herkömmlich geheizt wird. 30 Grad Wassertemperatur bei Sommer-Außentemperaturen von 16 bis 20 Grad. Zwar liegt die berühmte "Blaue Lagune" bei Keflavik noch eine Woche entfernt, aber man glaubt schon zu wissen, dass das neue Myvatnbad bei Reykjahlid im Norden gar nicht mehr zu übertreffen ist und wird Recht behalten. Zu schön liegt es eingebettet in die Berglandschaft des Krafla-Vulkans mit dem Blick auf den riesen Aschekrater Hverfjall und den Myvatn, den Mückensee. 30 bis 40 Grad warm ist das schwefelhaltige Wasser, das die Haut weich und geschmeidig macht. Und wem das nicht genügt, der kann wie überall in die "Hetir Pottar" - die heißen Töpfe - steigen, die die Isländer selbst so sehr lieben. "Wir müssen in unserer Garage solche heißen Töpfe einbauen", erzählt ein paar Tage später Elisabet Johannsdottir in Selfoss. Denn im Winter, wenn kaum Touristen kommen, setzt man auf die Firmenausflüge aus der Hauptstadt. Und die erste Frage bei der Anmeldung im Gästehaus ist: "Haben Sie heiße Töpfe?" Elisabets Mann Olafur Gudmundsson wurde in Deutschland geboren. Beide sprechen ausgezeichnet Deutsch und betreiben ein ziemlich großes Gästehaus, das Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts als Frauengefängnis gebaut worden war. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung in den Goldenen Kreis mit seinen Geysiren und dem Gulfoss, dem goldenen Wasserfall. Nach fast 3700 Kilometern glaubt man schon alles gesehen zu haben. Nach den Lavafelder und heißen Dämpfen der Krater, nach den gewaltigen Wasserfällen Dettifoss und Selfoss, nach den 118 Metern Fallhöhe des Hengifoss, zu dem ein zweieinhalb Kilometer langer und steiler Aufstieg zum Schluss über Stock und Stein führt. Nach bunten Papageientauchern von Borgarfjordur, den bizarren Klippen bei Vik, den Gletschern und der gigantischen Bucht der Eisberge. Doch der Strokkur, der sein heißes Wasser 25 Meter hoch in die Luft schießen lässt, ist etwas Besonderes. Er lässt das felsige Gestein mit den Wolken verschmelzen. Und im abendlichen Sonnenlicht erscheint der Gulfoss wirklich golden. Manch einer sitzt Stunden versonnen auf dem Felsplateau über der gewaltigen Gischt, die das fallende Wasser zerstäubt. |
Ein Gästehaus der besonderen Art: Bei
Ein Gewirr von Rohrleitungen bringt das heiße Wasser aus dem Erdinneren zu den Anlagen des Krafla-Geothermalkraftwerks.
Bizarre Felsformationen hat die erkaltete Lava in der Nähe des Myvatn hinterlassen.
Im unterirdischen Labyrinth eines Wasserkraftwerkes ist Kunst zu sehen. Gott Wotan schwingt hier den Hammer.
Mit 118 Metern Fallhöhe ist der Hengifoss einer der höchsten Wasserfälle in Island.
An der Küste bei Vik bildet das Gestein beinahe künstlich wirkende Formen. |